Informationen zu Gemeinde im Nationalsozialismus
Kirchweih Oktober 2008
In Archivdokumenten unserer Gemeinde aus den 1930er Jahren ist deutlich zu ersehen, dass Pfarrer und Kirchenvorstand ihr Mandat und ihre Autorität, die von Gott gegeben sind, für die widergöttliche, kriegsvorbereitende und antisemitische Ideologie der Deutschen Christen missbraucht haben. Bestätigt wird diese Erkenntnis von Berichten alter Menschen, die uns über die Ereignisse Auskunft geben konnten.
Die Deutschen Christen waren eine rassistische, antisemitische und am Führerprinzip orientierte Strömung im deutschen Protestantismus, die diesen von 1932 bis 1945 an die Ideologie des Nationalsozialismus angleichen wollte.
Sie wurden 1932 gegründet und gewannen seit Juni 1933 die Leitung einiger Landeskirchen in der Deutschen Evangelischen Kirche. Mit ihrer Gleichschaltungspolitik und dem Versuch, durch die Übernahme des Arierparagrafen in die Kirchenverfassung Christen jüdischer Herkunft auszuschließen, lösten sie den Kirchenkampf mit anderen evangelischen Christen aus. Diese gründeten daraufhin 1934 die Bekennende Kirche, die die Deutschen Christen als Irrlehrer betrachtete und aus der Kirchengemeinschaft ausschloss.
In Folge des Einflusses von Pfarrer Schulze, der sich als Deutscher Christ aktiv betätigte und des Kirchenvorstandes, der mehrheitlich dem Gedankengut der Deutschen Christen und des Nationalsozialismus nahe stand, fand in unserer Gemeinde folgendes statt:
Die SA besuchte in voller Uniform und mit Fahnen den Gottesdienst, um ihren Einfluß geltend zu machen.
Der Deutsche Gruß wurde im Gottesdienst praktiziert.
Auf Kirchenvorstands- und Gottesdienst-Einladungen stand der Hitlergruß.
Kirchvorsteher besuchten in NSDAP-Uniform den Gottesdienst.
Einige Kirchvorsteher vertraten die Interessen der NSDAP im Kirchenvorstand persönlich.
Der Pfarrer predigte die antisemitische und rassistische Blut und Boden-Theologie und eine heidnische Abendmahlslehre für Konfirmanden. Absicht war die Befreiung von allem Undeutschen aus Gottesdienst und Bekenntnis.
Zum Heldengedenktag 1938 und 1939 fanden Gottesdienste statt, die sich der kriegsvorbereitenden Ideologie der Gesellschaft anbiederten.
Die Mehrheit im Kirchenvorstand entschied sich 1938 gegen volksmissionarische Veranstaltungen der Bekennenden Kirche in Hohndorf und beschwert sich im Reichskirchenministerium darüber.
Pfarrer und Kirchenvorstand stimmten dem Ausschluss von Menschen jüdischer Herkunft aus Kirche und Gesellschaft stillschweigend zu.
Wir stellen fest,
die Mehrheit des Kirchenvorstandes und der Pfarrer manipulierten die Gemeinde mit einer dämonischen Vision vom Deutschen Christentum.
Die Leitung der Gemeinde missbrauchte damit ihr geistliches Mandat.
In dieser Folge koppelten sich viele Gemeindeglieder von ihrer geistlichen Leitung ab, sie konnten sich nicht mehr mit Pfarrer und KV identifizieren. Die geistlich wachen Kirchvorsteher und Gemeindeglieder emigrierten in die Landeskirchliche Gemeinschaft oder Freikirchen! Die Pfadfinder hatten sich aufgelöst, um nicht in die HJ eintreten zu müssen.
Schritte der Aufarbeitung wurden von Pfarrer Karl Seibt in den 50er Jahren unternommen. Er hat diese Dinge und damit verbundene Schuld deutlich beim Namen genannt und einzelne Familien seelsorgerlich begleitet. Mit kleinen Bußgottesdiensten im Mitarbeiterkreis hat er die geistlichen Folgen für die Gemeinde ins Licht des Erbarmens Gottes gehalten. Im Jahre 1982 kamen die Opfer der Nationalsozialistischen Diktatur in den Blick. Pfarrer Hans Warnat widmete Ihnen eine Gedenktafel im Vorraum unserer Kirche. Diese Aufarbeitungsschritte entdeckten wir als Zeichen der Gnade Gottes an die Gemeinde.


