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            Hohndorfer Thesentür

 

 

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Aus der Geschichte des Glaubens

 

Leben heißt Veränderung. Überhaupt, die gesamte Schöpfung ist mit der Eigenschaft der Veränderung ausgestattet. Da ist es doch naheliegend, wenn der Mensch nach etwas bleibendem, konstanten sucht. Diesen Ursprung nennen wir Gott. Wir kennen ihn aus der Geschichte und den Erfahrungen des Volkes Israel. Gott ist immer der Selbe, aber er schreibt mit den Menschen Geschichte, und das heißt Veränderung. Unser Verständnis von Gott und der Glaube an ihn verändern sich. Dazu will ich ein paar Beispiele zusammenhanglos anführen:

 

1. Opfer

Nahe bei Jerusalem liegt ein Tal. Man nennt es heute noch das „Tal des Geschreies“. Dort opferten die Verehrer des Gottes Moloch ihre erstgeborenen Kinder indem sie sie lebendig auf einem Scheiterhaufen verbrannten. Die Bibel widerspricht dieser Abgötterei (3. Mose 18.21).

Die Geschichte von Abraham und Isaak ist abgesehen von theologischen Auslegungen für mich eine klare Aussage: Gott will keine Menschenopfer. Abraham kommt im letzten Moment zu Verstand und lässt von seinem nach heutigem Verständnis abscheulichen Verbrechen ab. Stattdessen huldigt man Tieropfern um Gott zu gefallen. Jesus selbst hingegen vertreibt die mit diesem Kult beschäftigten Händler aus dem Tempel (Markus 11.15). Schließlich opfert er sich selbst am Kreuz und macht damit allem Opferkult ein Ende. Gott fordert von uns keine unsinnigen Opfer. Er legt uns dagegen das Doppelgebot der Liebe ans Herz: „Du sollst Gott deinen Herrn lieben von ganzer Seele… und deinen Nächsten wie dich selbst.“ „Was ihr getan habt einem dieser meiner geringsten Brüder, das habt ihr mir getan.“  Dem Nächsten dienen, sich dafür aufopfern, das ist das Opfer, das Gott gefällt.

 

2. Jesus

Die radikalste Wendung in der Geschichte des Glaubens ist die, indem Gott selbst Mensch geworden ist. An Jesus führt kein Weg vorbei. „Keiner kommt zum Vater, denn durch mich.“ Da helfen auch keine aus archaischen Zeiten hergeleiteten Regeln und Vorschriften bzgl. Beschneidung, Bekleidung, Nahrungsmittel, Speisenzubereitung… und Schweinefleisch ist auch nicht giftig. Der Knollenblätterpilz dagegen schon, aber in der Bibel steht darüber nichts, da helfen nur Erfahrung und Verstand.

In unserem Glaubensbekenntnis bezeugen wir Vater, Sohn und Heiligen Geist. Ich bin der festen Überzeugung, alles andere läuft ins Leere und dient dem menschlichen Bedürfnis nach Religiosität und insofern einer nicht zu unterschätzenden Wirkung auf die Psyche. Das kann durchaus positive, aber auch verheerend negative Auswirkung haben oder ist eben nur Einbildung, mit Zwängen und Unfreiheit behaftet. Ob der Gott unseres Bekenntnisses auch der Gott anderer Religionen ist, damit mache ich mich nicht heiß. Das überlasse ich getrost Gott.

 

3. Christentum

Welche gravierende Veränderungen, Verirrungen und Missbrauch durch die Mächtigen hat das Christentum in den zwei Tausend Jahren erfahren. Kreuzzüge, Abspaltung der Ostkirchen, Scheiterhaufen, Hexen, Ketzer, Ablasshandel,…

Eine der markantesten Wendungen setzte mit der Reformation vor 500 Jahren ein. Darüber wurden und werden ungezählte Bücher geschrieben. Dazu nur folgendes:  Verheiratete Priester waren bei vielen damals erst einmal ein Skandal. Frauen im Pfarrerdienst kennen wir erst seit 50 Jahren.

Nun zu dem Punkt, der die Gemüter derzeit erregt: Heute wissen wir (Verstand!), dass Menschen, die sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen mit dieser Veranlagung so von Gott geschaffen wurden. Und wir maßen uns an, sie zu verurteilen und zu diskriminieren. Mit welchem Recht sprechen wir ihnen die Gabe zur Verkündigung ab?

Angesichts der gewaltigen Veränderungen, die es in der Geschichte des Glaubens gegeben hat, sollten wir neuen Dingen mit mehr Gelassenheit und Gottvertrauen begegnen.

 

Peter Epperlein

 


 

 

Offener Brief vom 16.01.17 an den Kirchenvorstand der Kirchgemeinde Hohndorf

 

 

Liebe Brüder und Schwestern,
 

nach der Predigt des den Gottesdienst haltenden Pfarrers am 15.01.17 ergeben sich für mich grundlegende Fragen. Ich bitte um offenen und klare Antworten  (Bergpredigt, Matth. 5, 37 „Eure Rede sei Ja, ja, nein, nein. Was darüber ist, ist von Übel.“)

 

In der Predigt erklärte der Pfarrer anhand Joh. 4, 5-26 „die Frau am Brunnen“ sein Verständnis von Toleranz und dem Miteinander der Religionen, insbesondere vom Verhältnis zu den Muslimen in Deutschland.
Es folgte die Aussage, dass das Entscheidende die Anbetung im Geist und in der Wahrheit ist.


Welcher Geist und welche Wahrheit sind das? Beten wir, Christen und Muslime, zu demselben Gott?

 

Sicher kann ein Muslim mein Nächster sein. Doch wie erhält es sich mit dem Islam? Die EKD treibt den interreligiösen Dialog und Konsens voran. So setzt sich Heinrich Bedford-Strohm für das „House of One“ ein und legt das Kreuz am Tempelberg ab.
 

Pastor Latzel dagegen spricht vom Götzendienst und der aus Khartum stammende Pastor Fouad Adel spricht in diesem Zusammenhang vom „Kampf Satans um seinen Herrschaftsanspruch über die Menschen, also dem Kampf der Finsternis gegen das Licht“.
 

Wo stehen wir?

 

Zum Reformationsjubiläum gab die EKD eine neue Lutherbibel heraus. Der bisherige Missionsbefehl in Matth. 28,19 „machet zu Jüngern alle Völker“ ist nun wie folgt übersetzt: „Darum gehet hin und lehret alle Völker“. Ich kann nicht beurteilen, ob der Missionsbefehl nun richtig oder falsch wiedergegeben wird. Bedenklich ist jedoch der Eindruck, dass die EKD die Mission unter Muslimen zumindest teilweise ablehnt. Wie stehen wir dazu?

 

Matth. 19,4. „Er (Jesus Christus) antwortete aber und sprach zu ihnen. Habt ihr nicht gelesen, dass der im Anfang die Menschen gemacht hat, der machte, dass ein Mann und ein Weib sein sollte“. Mir liegt es fern, jemanden wegen seiner sexuellen Neigung oder Identität zu verurteilen. Auch ein Schwuler kann mein Nächster sein. Es ist jedoch etwas Anderes, Homosexuelle in priesterlichen Ämtern zu befürworten. Wie soll der schwule Pastor die Schöpfungsordnung vertreten? Wer soll uns lehren und unser Hirte sein?

 

In der Fürbitte wurde besonders für den Schutz der Familien gebetet, da diese heute besonders angegriffen werden. Die aktuelle Genderbewegung steht dazu im Wiederspruch. Die EKD steht dieser Modernisierung aufgeschlossen gegenüber. Wie stehen wir dazu?

 

Wir erleben derzeit die größte Christenverfolgung weltweit. Die EKD ist seltsam sprachlos.
Kein großer Aufschrei oder –ruf. Geld und Einfluss sind eigentlich da. Wir lassen die Wölfe ins Land und die Schafe draußen sterben. Und das ohne Not. Wird es ein neues Schuldbekenntnis geben? Wie stehen wir dazu?

 

Seit 1983 lebe ich in Hohndorf. Am 13. Juni 2010 habe ich mich taufen lassen. Das ist der wichtigste Tag in meinem Leben. Ich habe hier in der Gemeinde ein Zuhause gefunden. Jetzt frage ich mich, ob ich bleiben kann.

 

Steffen Tiesies

 


 

Stellungnahme zum offenen Brief von Steffen Tiesies

 

Beten wir als Christen und Muslime den gleichen Gott an, wie gehen wir mit muslemischen Flüchtlingen um?

Diese Frage kann nach meiner Überzeugung kein Mensch wissen. Nur Gott selbst wird das entscheiden.

 

Für mich persönlich kann ich nicht erkennen, dass das für Christen und Muslime zutrifft, sonst wären die Aussagen Jesu nach meiner Überzeugung in der Bibel allesamt falsch. Aber ich weiß auch, dass Gott größer ist, als mein Verständnis und meine Vorstellungen.

 

Kern meiner Überzeugung ist der Satz Jesu (Joh. 14, 6)

Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.

Das ist für mich Basis und Fundament meines Glaubens.

 

Meine Stellung zu den islamischen Flüchtlingen ist deshalb nicht biblisch zu begründen.

Nach meiner Überzeugung ist der Islam, als Religion an sich, darauf aus, die Weltherrschaft an sich zu reißen und das Christentum auszumerzen.

Meiner persönlichen Meinung nach, sollten Menschen, die als Flüchtlinge und Hilfsbedürftige zu uns kommen unterstützt werden, ganz gleich woher sie kommen und was sie glauben.

 

Wenn sie wirklich vor Not und Elend fliehen, werden sie dankbar unsere Unterstützung annehmen und versuchen, sich unserer Lebensumgebung anzupassen, ohne ihre eigene Identität aufzugeben.

Das bedeutet für mich auch, dass sie ihren Glauben weiterleben können müssen.

 

Ich erwarte aber, dass ein Flüchtling nicht versucht, dem Helfenden zu betrügen, indem zum Beispiel mit mehrfachen Identitäten einfach auch mehrfach Geld bezogen wird, Gewalt (auch gegen andersgläubige Flüchtlinge) ausgeübt wird oder mit irgendwelchen kriminellen Aktivitäten unser Gemeinwesen gestört bzw. zerstört wird. Solche „Flüchtlinge“ gehören für mich sofort abgeschoben bzw. in das Land zurückgeschickt, aus dem sie nach Deutschland gekommen sind.

 

Zum Ablegen des Kreuzes durch Bischof Bedford-Strohm fehlen mir die Worte. Ich bin fassungslos, dass ein hochrangiger Vertreter meiner, unserer Kirche sein Kreuz ablegt, um nicht Anstoß zu erregen. In der Bibel steht dazu „Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach.“ (Lukas 9,23) Mehr ist dazu nicht zu sagen.  

 

Aber, und da komme ich zu einem weiteren Punkt, wie mit Schwulen und Lesben in unserer Kirche umgehen?

Dazu kann ich nichts letztgültiges sagen. Ich weiß nicht, ob ein schwuler Mann oder eine lesbisch veranlagte Frau zwingend in ein kirchliches Amt eintreten muss. Das sagt ja aber nichts generelles zu schwulen und lesbisch veranlagten Menschen, woher diese Veranlagung auch kommen mag. Ich möchte diese Menschen nicht verurteilen, sie sind auch Gottes Kinder.

 

Fazit: Irgendjemand hat einmal gesagt, „Gott schreibt auch auf krummen Linien gerade.“ Das gilt für mich auch für unsere Kirche.

Solange die Kirche hier in dieser Welt von sündigen Menschen gebaut wird, wird es zwangsläufig auch Sünde und Fehler in ihr geben. Wir sollten jeder den Balken im eigenen Auge entdecken und unsere eigene Schuld ans Kreuz bringen.

 

Gerhard Warnat

 

 


 


Losung für 24.07.2017

Ich will euch Hirten geben nach meinem Herzen, die euch weiden sollen in Einsicht und Weisheit.